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Die alte Jagdhütten-Eiche im Neuenburger Urwald


Das Alter
Wohl in der Nacht vom 19. auf den 20 Juni 2014 ist die alte Eiche an der Jagdhütte mitten im Neuenburger „Urwald“ umgefallen. Bis dahin war sie mit einigen Seitenästen noch am Leben. Markant war die starke Drehung sowie der intensive Bewuchs des zwei Meter dicken Baumstammes mit Moosen, Flechten und Rippenfarn. Die Eiche ist ein Relikt aus der Zeit des Hutewaldes (Weidewald), als breitkronige Eichensolitäre im Neuenburger Holz wuchsen, die vor allem Eicheln für die Viehmast (Unter Eichen wachsen die besten Schinken) in Form von Eicheln und auch zur Laubheugewinnung lieferten. Erst in zweiter Linie waren sie für Brenn- und Bauholz interessant.
Lt. Berndt Kriebitzsch, Forstamtsleiter in Neuenburg von 1981-2005 sind die alten Eichen schon in einer Forstbeschreibung von 1894 als „über 700 Jahre“ alt benannt worden (mündlich).
Ebenfalls lt. Kriebitzsch (mündlich) haben die Forstleute 1945 bei der zwangsweisen Abholzung der einen Hälfte des damaligen Urwaldes die Jahrringe der gefällten alten Eichen gezählt und so das Alter von über 700 Jahren bestätigt.


ca. 1150 nach Christi
Damit ist die Jagdhütteneiche etwa 850 Jahre alt geworden. Im Umfeld der Jagdhütte –also der Kernzone des Urwaldes- stehen noch einige dieser 800 bis 900 Jahre alten Hutewaldeichen.


Die Entstehung kann nur gemutmaßt werden:
So schreibt Friedrich Meinrenken 1962 „Da auch der Urwald teilweise auf altem Ackerboden stockt, ist es verlockend, die ersten Ackeraufforstungen den Mönchen des Johanniterordens zuzuschreiben (1100 bis 1530). Die jetzigen Klosterhöfe Bredehorn, Grabhorn und Lindern sind Zeugen ihrer Tätigkeit.“ (Quelle Heimatverein Neuenburg, Schrift Nr. 19 von 2008). Belegt ist jedenfalls, dass der Wald um die Jagdhütte herum im Mittelalter gerodet und als Plaggenesch, also als Acker, genutzt war und dann wohl wieder als weitständiger Weidewald
bepflanzt wurde.


Der Schutz
Belegt ist auch, dass der Oldenburger Großherzog Nikolaus Friedrich-Peter die „Schaar“ im Neuenburger Holz „aus Gründen der Ästhetik und der Pietät“ zur sogenannten „Ausschlußholzung“ erklärte und damit die Holznutzung dort eingestellt wurde. Neben dem Neuenburger Urwald betraf diese weitsichtige Entscheidung auch den Urwald Herrenholz bei Goldenstedt, den Hasbruch bei Hude und den Baumweg bei Ahlhorn.
Auch der Vieheintrieb verminderte sich und „hörte 1917 völlig auf“ … „Nachdem das Vieh wegblieb und der Wald zur Ruhe kam, wurde das Bild dieses „Urwaldes“ immer romantischer und anziehender. Besucher aus nah und fern stellten sich bereits vor 100 Jahren in großer Zahl
ein und Maler (Preller, Bley) fanden hier die schönsten Motive für ihre Waldbilder. Das veranlasste den Großherzog Nikolaus Friedrich-Peter (1853-1900) dieses Waldstück aus der forstlichen Bewirtschaftung herauszunehmen“, schreibt Meinrenken im Jahr 1966. (aus
Heimatverein Neuenburg, Schrift Nr. 19 von 2008).


Drehwuchs
Wie andere Eichen im Urwald auch, besticht die Jagdhütten-Eiche durch ihren ausgeprägt gedrehten Stamm. Dem Volksmund nach hat sich diese „Dreheiche“ immer nach jungen Männern umgeguckt, daher das eigentümliche Wachstum. (aus Heimatverein Neuenburg, Schrift
Nr. 19 von 2008). Forstlich gesehen ist sogenannter Drehwuchs ein „schraubig gedrehter Verlauf der Holzfasern um die Stammachse“ (Kosmos Forstlexikon), deren Ursachen nicht eindeutig geklärt ist (Genetik, Standort, Wasseradern). Bei den Laubbäumen neigen Buchen und Eichen
relativ häufig zu Drehwuchs. Drehwüchsige Bäume werden in der Regel wegen ihres eingeschränkten Nutzwertes bei Durchforstungen aus dem Wald entnommen. Denn ein Brett oder Balken würde sich beim Trocknen spiralförmig verwerfen oder verziehen.


Was passiert mit der Jagdhütteneiche
Sie befindet sich mitten im Urwald, der zu den 100 Naturwäldern der Landesforsten gehört und bleibt dem natürlichen Zerfall (zu Humuserde) überlassen. Das kann bei dem dauerhaften Eichenholz und dem Durchmesser ohne weiteres mehrere Jahrzehnte dauern.
Ob weitere Maßnahmen zum Schutz des liegenden Baumes ergriffen werden, ist derzeit noch nicht abzusehen.
Literatur:
• Die Forstgeschichte von Neuenburg, AK Heimatkunde im Heimatverein Neuenburg, 2008
• Der Neuenburger Urwald – ein Denkmal der Kulturlandschaft, Karl-Ernst Behre, 2010
• Das Naturschutzgebiet Neuenburger Urwald, Broschüre Landkreis Friesland, 2012
• Naturwälder in Niedersachsen, Band 1, Peter Meyer, S. 193 - 197
Internet:
www.neuenburger-urwald.de
Zusammengestellt: Rainer 
Städing, 20. Juni 2014